Historie über die
Windmühle Aschwarden

Im Jahre 18oo wurde in Aschwarden vom Müller Hayer aus Hagen eine Bockwindmühle gebaut und vom Müller Michaelis betrieben. Da Mehl zu dieser zeit ein Hauptnahrungsmittel war, wurde eine Genehmigung nur erteilt, weil die Transportwege sehr oft in einem schlechten Zustand waren und die Wege mitunter wochenlang nicht benutzt werden konnten. Von der Familie Kayser wurde die Bockwindmühle? im Jahre 185o gegen eine Galerieholländer mit Reetdach ersetzt. Die Mühle hat zwei Mühlsteine und eine Beutelkiste für Weizenmehl. Durch einen Blitzeinschlag wurde die Mühle im Jahre 1896 bis auf die Galerie (Zwickständer) vernichtet. Familie Kayser baute sie anschließend in einer robusteren Bauweise wieder auf. Jetzt wurden Stahlwellen, eine Blechaußenhaut und Holzflügel verwendet. Durch die sehr hohen Umbaukosten geriet die Familie in derart finanzielle Schwierigkeiten, so dass die Mühle im Jahre 19oo zwangsversteigert werden müsste. Nun ging sie in den Besitz von Herrn Georg Stegie über. Es wurden neue Mühlsteine eingebaut und dann der Mühlbetrieb an Familie Frevler verpachtet. Herr Frevler fiel im ersten Weltkrieg (1914-18) und seine Frau lebte von nun an allein im Mühlenhaus. In dieser Zeit brachen bei einem großen Sturm die Holzflügel und stürzten herunter. Etwa 2 bis 3 Jahre war die Mühle nun nicht in betrieb. Das Haus wurde während dieser zeit von einer Frau Mohrmann aus Aschwarden bewohnt. Herr Stegie ließ neue Holzflügel anfertigen und lagerte sie bis zur Montage in seiner Scheune in Wurtfleth. Doch abermals schlug das Schicksal zu. Im Januar 1921 brannte sein Haus und die Scheune restlos nieder, auch die neuen Flügel der Aschwarder Mühle wurden ein Opfer der Flammen. Während der Inflation 1922 fertigte die Firma Stortmann in Bremen-Lesum die jetzigen eisernen Flügel an. Mit wie viel Millionen Mark an Inflationsgeld sie bezahlt wurden ist bis heute nicht bekannt. Nach der Montage der Flügel, haben Herr Stegie, Herr Johann Dietrich und dessen Sohn Georg den Mühlbetrieb zusammen geführt, wobei Herr Johann Dietrich das Haus bewohnte.
Neben der Mühle stand in einem kleinen Fachwerkhaus ein Dieselmotor, welcher bis 1923 an windstillen Tagen für die notwendige Antriebskraft sorgte. Im gleichen Jahr wurde ein Trafo gebaut und die Mühle an das Stromnetz angeschlossen. Bei Windstille sorgte nun ein Elektromotor für den Mühlenbetrieb. Da es in dieser nassen Marschgegend nicht genügend Korn zum mahlen gab, wurde zusätzlich aus den Häfen von Bremen Korn mit 15 Tonnen Motorschiffen zum Aschwarder Siel gebracht. Hier wurde es auf Pferdewagen umgeladen und zur Mühle transportiert. Etwa 1934 verließ Herr Georg Dietrich die Mühle und übernahm einen Bauernhof. Am 1.November 1935 verkaufte Herr Stegie die Mühle an Familie Köster zu einem Kaufpreis von 3o.ooo.- Reichsmark, was zu dieser zeit sehr viel Geld war, zumal sich die Mühle in einem besonders schlechten Zustand befand. Unzählige Ratten belagerten das Gebäude und führten sich als Besitzer auf. Während der Reparaturarbeiten waren Herr Köster und sein Sohn ständig auf Rattenjagd.
Die Mühle wurde etwa 1962 unter Denkmalschutz gestellt. Mit Zuschüssen vom Landkreis war es nun möglich den Mühlenkopf zu reparieren und die Windrose instand zu setzen. Nach dem Tode des Herrn Köster wurde die Mühle von seiner Frau und seinem Sohn allein weitergeführt. Für alle Verwandten, Freunde und Mühlengäste, war das Anwesen immer ein Ort der Ruhe und Zufriedenheit. Als auch Frau Köster und deren Sohn verstorben waren, ging die Mühle in den Besitz des Enkels und Neffen Heinz-Wilhelm Rönner über. Die Windmühle hat bis 1977 mit Wind gemahlen und wurde dann 198o stillgelegt. Im Jahre 1982 wurden einige Balken ausgewechselt und die Galerie neu erstellt. Um die Mühle freistehend zu betrachten, wurden angrenzende Lagerräume abgebrochen. Mitte 1989 wurde das Dach neu mit Schiefer gedeckt.
Seit dem Frühjahr 1984 ist Herr Franz Schnelle stolzer Pächter und Freund der Familie geworden. Er legt all seine Arbeitskraft und Gedanken in den Erhalt dieses schönen Mühlengebäudes, das schon viele Jahre das weithin sichtbare Wahrzeichen des hiesigen Marschlandes ist.

Aschwarden im Mai 1999

Besichtigung: Samstags, Sonntags oder nach Vereinbarung
Anmeldung, Führung und Pächter:

Franz Schnelle, Weizenkampstr. 16o, 28199 Bremen Tel: o421/5o4215